Die Freiarbeit

Der Unterricht nach den Methoden der Montessori-Pädagogik vermittelt im Wechsel zwischen Fachunterricht und Freiarbeit die Themenbereiche der verschiedenen Lernfächer. Die Freiarbeit im Sinne von Maria Montessori bildet an unserer Schule dabei einen Schwerpunkt des Vormittags, in der dann hauptsächlich in den Bereichen Deutsch, Mathematik sowie Heimat-und Sachkunde selbstständig und regelmäßig gearbeitet wird.

Hierbei finden die individuellen Lern- und Arbeitsrhythmen der Kinder sowie ihre Besonderheiten und Interessen Berücksichtigung, was sich beispielsweise im gewählten Lerninhalt und der Intensität, mit der sich ein Kind damit auseinandersetzt, widerspiegelt. Deshalb machen während der Freiarbeit nicht alle Kinder das Gleiche.

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So wäre es möglich, dass Pauline mit dem Markenspiel subtrahiert, Lennert eine Geschichte schreibt, Hannah liest und Elias am Hunderterbrett arbeitet. Möglicherweise wird Pauline die ganze Freiarbeitszeit eines Vormittags mit dem Markenspiel rechnen, weil sie sich gerade sehr darin vertiefen kann, Lennert wird vielleicht eine sehr lange Geschichte schreiben. Danach wird er sehr stolz auf sein vollendetes Werk sein und sich mit gleicher Konzentration einem anderen Lerninhalt zuwenden können. Es könnte auch sein, dass ein Kind, das erst am Anfang des Lesenlernens steht, neugierig ist, was Hannah liest und Hannah bittet, ihm vorzulesen. Vielleicht kostet es Hannah Überwindung dies zu tun, vielleicht hat sie aber sogar besondere Freude daran, ihr Können einem jüngeren Kind präsentieren zu dürfen.

 

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Auch solche sich spontan ergebenden Interaktionen sind ein häufig zu findendes Element der Freiarbeit und zeigen die Vielfalt möglicher Lernwege. Derartiges miteinander Agieren ist möglich, weil sich die Kinder während der Freiarbeit auch ungezwungen im Raum bewegen können. So z. B. um sich einen Arbeitspartner zu wählen oder, um sich ihre Arbeitsmittel zu holen und sie zum jeweils gewählten Arbeitsplatz zu bringen.

Es befinden sich in den Lernräumen Tische und Sitzmöbel unterschiedlicher Größe, die auf die verschiedenen Bedürfnisse während des Arbeitens abgestimmt sind. Außerdem gibt es freie Flächen auf dem Fußboden, wo das Auslegen eines viel Platz beanspruchenden Materials möglich ist. Es gibt in einigen Lernräumen flache ovale Tische, um die herum sich gegebenenfalls eine größere Gruppe von Kindern zum gemeinsamen Arbeiten oder die gesamte Lerngruppe zu einem Gespräch zusammenfinden kann.

 

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Die Kinder entscheiden zumeist selbst, ob sie sitzen, stehen, knien oder hocken, wenn sie arbeiten, so, wie sie auch mitentscheiden wollen, welche Arbeiten sie durchführen. Sie haben Ideen und wollen ihre Vorhaben verwirklichen. Die freie Arbeit mit den zur Verfügung stehenden Materialien hilft den Kindern, ihre Interessen einzubringen, zur Ruhe zu kommen und ihre Arbeiten in ihrem eigenen Lerntempo mit Ausdauer zu Ende zu bringen. Die Freiarbeit steht damit den Kindern zur Verfügung, um selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten und zu lernen, sich neues Wissen anzueignen oder Gelerntes zu vertiefen. Den Pädagogen obliegt dabei die Aufgabe, die Kinder in ihren Arbeits- und Lernprozessen zu beobachten und ihnen die jeweils dem Entwicklungsstand entsprechenden passenden Materialien zur Verfügung zu stellen. Dies beinhaltet auch die Darbietung des Umgangs mit einem Material und die sensible Wahrnehmung, wann und in welcher Form ein Kind Hilfe und Unterstützung bedarf.

Damit in der Freiarbeit eine ruhige Arbeitsatmosphäre gewährleistet ist, werden in jeder Lerngruppe genaue Regeln für das Arbeits- und Sozialverhalten erarbeitet. Dabei ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Konsequenz die Kinder selbst auf die Einhaltung ihrer aufgestellten Grundsätze achten.